Rehe im Winter beobachten
Naturfotografie im Winter bedeutet für mich warten, beobachten und draußen sein, auch wenn es kalt ist. In den letzten Monaten habe ich mich sehr intensiv mit den Rehen beschäftigt. Es gibt eine Stelle, die ich schon seit einigen Jahren kenne und die mich in dieser Zeit immer wieder angezogen hat. Mit den kalten Tagen, den langen Nächten und den ersten Schneeflocken waren auch die Rehe wieder vermehrt zu beobachten. Sie hatten sich mittlerweile wieder zu kleinen Sprüngen zusammengefunden und kommen regelmäßig durch einen kleinen Waldabschnitt, um zu ihren Tagesschlafplätzen zu kommen.
Viele Morgen saß ich an dieser Stelle und habe nichts gesehen. Ich habe gewartet, gefroren, den Wind beobachtet und einfach nur die Umgebung auf mich wirken lassen. Auch wenn es kalt war, hatte das jedes Mal etwas sehr Entspannendes. Draußen zu sein, ohne Erwartungen. Und dann gab es diese anderen Momente. Die, die bleiben.
Geduld, Frost und besondere Morgen im Winter
Einer der ersten Morgen, an dem es wirklich gepasst hat, war noch ohne Schnee und einer der ersten, an welchen es mich in das kleine Waldstück zurück zog. Es lag Frost, das Licht war dämmerig und auch meine Kamera hatte noch Probleme, etwas richtig scharf zu stellen. Für mich war es ein erstes richtiges Erkunden. Schauen, wie viel Bewegung dort ist, welche Wege genutzt werden. An diesem Morgen stand plötzlich ein großer Sprung vor mir. Vielleicht fünfzehn, vielleicht zwanzig Rehe.
Sie waren überall. Vor mir, links, rechts. Der Wind stand perfekt, nämlich hinter meinem Freund und mir, sodass sie absolut nichts von uns mitbekommen haben. Rund zwanzig Minuten waren sie in unserer Nähe, teilweise so nah, dass Fotografieren kaum möglich war. Das Licht ließ es ohnehin nur eingeschränkt zu. Trotzdem war dieser Morgen überwältigend und hat mich unglaublich motiviert, weiter zu dieser Stelle zu gehen und noch genauer hinzuschauen. Solche Augenblicke im Winter machen die Naturfotografie zu etwas magischem.









Es vergingen einige Wochen. Mal waren sie da, aber viel zu weit weg und an anderen Tagen gar nicht. Nach Weihnachten, zwischen den Feiertagen 2025, gab es wieder einen dieser besonderen Tage. Es lag Frost, die Luft war klar. Ich war bereits den zweiten oder dritten Morgen in Folge dort. Lange Zeit passierte gar nichts. Der Vormittag rückte näher und bis dahin war nur ein einzelnes Reh vorbeigezogen.



Ich stand schon auf, hatte die Kamera vom Stativ abgebaut und wollte meine Sachen packen, als ich aus dem gegenüberliegenden kleinen Waldstück eine Gruppe Rehe sah. Sie kamen direkt auf mich zu – Nein, sie rannten viel mehr auf mich zu. Innerhalb Millisekunden lag ich wieder am Boden und hatte die Kamera auf Stativ gebaut. Am Ende standen sie nur wenige Meter vor mir. So nah, dass Porträtaufnahmen möglich waren. Ein Moment, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte und der für mich ein perfekter Abschluss der Naturfotografie im Winter im Jahr 2025 war.











Schnee als kurze Chance
Irgendwann kam dann auch der Schnee. Mehr als in den letzten Jahren. Natürlich hat es mich wieder an diese Stelle gezogen. Nicht jeder Tag war erfolgreich, aber es sind Bilder entstanden und endlich auch Motive im Schnee.



Für ein paar Tage war klar, dass es kalt bleiben und Schnee liegen würde, bevor das Tauwetter einsetzen sollte. Mir war bewusst, dass ich nicht viele Chancen habe. Durch die kurzen Tage schaffe ich es aktuell meist nur am Wochenende, wirklich zum Fotografieren rauszugehen. Ein weiteres absolutes Traummotiv von mir im Schnee waren Eichhörnchen. Ich fotografiere sie seit über zwölf Jahren. Ich habe viele Bilder von ihnen, aber ein Eichhörnchen im Schnee ist mir bis dahin nie gelungen. Entweder fehlte die Zeit, der Schnee oder einfach das Glück. Dazu kommt, dass Eichhörnchen Winterruhe halten und nur wenige Stunden am Tag aktiv sind. Man muss genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
Eichhörnchen im Schnee fotografieren
Ich hatte genau noch zwei Tage. Ein einziges Wochenende. Am ersten Tag bin ich an meine Eichhörnchenstellen gegangen. Es war gar nicht so einfach. Viele Spuren im Schnee, unter anderem auch vom Feldhasen. Allein das zu sehen hat mir schon gefallen, denn auch ein Feldhase im Schnee würde mir sehr gefallen. Nach einer ganzen Weile hatte ich endlich ein Eichhörnchen vor mir. Ich habe mich hingesetzt und abgewartet, ob es näher kommen würde. Der Schnee fiel langsam und irgendwann waren es mehrere Eichhörnchen. Sie waren extrem flink und nahezu ständig in Bewegung. Die ersten Bilder waren nicht das, was ich mir erhofft hatte. Dazu kam, dass mich die Spuren des Feldhasen nicht losgelassen haben.







Spuren im Schnee und der Feldhase
Plötzlich hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden. Ich habe mich umgedreht und da saß tatsächlich ein Feldhase hinter mir. Noch bevor ich die Kamera richtig drehen konnte, war er wieder weg. Ich bin seiner Spur gefolgt, habe versucht, ihn wiederzufinden – ohne Erfolg. Naturfotografie im Winter bedeutet für mich vor allem warten, beobachten und draußen bleiben. Gegen Mittag war ich dann allerdings durchgefroren und hungrig. Also bin ich nach Hause gefahren.
Am nächsten Tag habe ich es noch einmal versucht. Wieder Feldhasenspuren, wieder die Hoffnung. Und wieder blieb ich zunächst bei den Eichhörnchen hängen. Dort hat es dann endlich gepasst. Es sind die Bilder entstanden, die ich mir so lange gewünscht habe. Keine perfekten Bilder, aber genau richtig für mich. Eine kleine Serie von Eichhörnchen im Schnee. Und wieder war es so, dass genau in diesem Moment der Feldhase auftauchte. Das nennt mal wohl Déjà-vu. Dieses Mal musste ich mich allerdings nicht drehen. Er lief direkt auf mich zu und an mir vorbei. So „einfach“ kann Naturfotografie im Winter manchmal gehen.













Der Fuchs im Winter
Inzwischen ist noch einmal Schnee gefallen. Mehr als gedacht. Und während ich mich in den letzten Monaten vor allem auf die Rehe konzentriert habe, lief im Hintergrund immer noch etwas anderes mit. Der Fuchs.
Viele Spuren, bekannte Wege, kurze Sichtungen. Aber wie so oft bei uns: schwer zu greifen, schwer vor die Kamera zu bekommen. Füchse sind hier leider nicht selbstverständlich. Manchmal sieht man sie, ja. Aber sie wirklich fotografieren zu können, ist etwas anderes. Ihr wisst ja: Sie sind mein persönlicher Endgegner. Und gleichzeitig eines meiner absoluten Lieblingstiere, gleich neben den Dachsen.
In den letzten zwei bis drei Wochen waren wir immer wieder an einer Stelle unterwegs, an der zwei Füchse zuvor beobachten konnten. Sogar eine Paarung konnte ich dieses Jahr zum ersten Mal miterleben, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt leider für kein Foto gereicht hat. Das hat Hoffnung gemacht. Also bin geblieben, habe lange gewartet, bin früh raus und spät zurück. An einem Tag war ich von morgens um sieben bis abends um siebzehn Uhr draußen. Ich habe nur kurz zwischendurch etwas gegessen, die restliche Zeit war ich unterwegs. Und ja, es hat sich gelohnt.






Es gab diese Momente, in denen der Fuchs durch den Schnee lief, stehen blieb, kurz inne hielt und nach Mäusen suchte. Und ich hatte ihn vor der Kamera. Mal näher, mal sehr weit weg. Aber er war war da, was mein Herz zu jedem Zeitpunkt seiner Anwesenheit höher schlugen lies. Gerade im Winter habe ich in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass sich Füchse besonders gut beobachten und fotografieren lassen. Vor allem dann, wenn Schnee liegt.
Zum einen sind sie in dieser Zeit generell aktiver, was an der Paarungszeit liegt. Zum anderen nutzen Füchse lockeren Schnee gezielt für die Mäusejagd. Wird es nachts sehr kalt und der Schnee friert durch, funktioniert das kaum noch. Sie können dann nicht mehr durch den Schnee springen und Mäuse orten. Genau an diesen Tagen nicht gefrorenem Schnee lassen sich Füchse oft über den Vormittag hinweg oder auch am späteren Nachmittag beobachten. Ein Fuchs kann pro Jahr mehrere tausend Mäuse fangen. Damit spielt er eine wichtige Rolle im natürlichen Gleichgewicht, gerade in offenen Landschaften. Das waren für mich echte Highlights. Genau diese Begegnungen, für die man all die leeren Stunden in Kauf nimmt.


Alles, was bleibt
Jetzt ist Tauwetter. Der Schnee zieht sich zurück und bleibt nur noch stellenweise liegen. Hinter mir liegen Bilder von Rehen, von Eichhörnchen, vom Feldhasen und diese ganzebesonderen Begegnungen mit dem Fuchs. Ein Winter, der mehr gegeben hat, als ich zwischendurch gedacht hätte.
Jetzt geht Suche geht weiter. Füchse werden mich weiterhin begleiten, genauso wie neue Projekte. Alles, was kommt, kann ich wie immer nicht vorhersehen. Und genau das ist es, was mich draußen hält. Ich freue mich auf jede Sekunde, die ich in der Natur verbringen darf. Auf diese Zeit, die mich abschalten lässt. Auf jedes neue Zusammentreffen mit „meinen“ Tieren. Und auch auf die, mit denen ich vielleicht noch gar nicht gerechnet habe.
Man kann all das nicht planen. Was bleibt, ist dieses Draußensein. Das Warten. Das Nichtwissen. Und genau das ist es, was mich immer wieder rauszieht. Naturfotografie endet für mich nicht mit dem Winter. Auch Frühling, Sommer und Herbst warten mit ihren eigenen Momenten und Begegnungen. Und ich weiß, dass dort noch viele Abenteuer draußen auf mich warten.

